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Meine Erlebnisse in Lyon sind weiterhin online, direkt unter lyon.flodas.de.

Erstellt: 05.08.09

Der erste Monat in Peking

Jetzt ist es unglaublicherweise beinahe einen Monat her, dass mein Flieger nach Peking abgehoben ist. Es ist also mal wieder dringend Zeit, ein paar Worte hier online zu setzen. Aber ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Es gibt ja soviel zu erzählen und täglich erlebe ich neue Dinge, die ich so bislang nicht kenne…

Fangen wir doch mal mit dem für mich wichtigsten Thema an: Essen. Mir wurde ja viel über Essen in Peking erzählt und ich habe mich mental darauf eingestellt, hier etwas abnehmen zu können. Nun gut, diesen Vorsatz habe ich erstmal verworfen, da es tausend Sachen zu probieren gilt und die Pekinger Küche tendenziell dazu neigt, viel Fett einzusetzen. Außerdem ist Essen einfach so günstig, so dass es keine monetäre Bremskomponente gibt. Bei unseren chinesischen Restaurants in der Nähe von Star City kostet ein Gericht umgerechnet zwischen ein und zwei Euro und ein Fleischspießchen ist für rund 20 Cent zu haben. Wenn wir in ein etwas besseres Restaurant gehen, dann muss jeder in etwa fünf Euro bezahlen, dafür klagt auch keiner über Hunger danach…

Prinzipiell empfiehlt es sich vor der Bestellung zu überlegen, ob man das Essen etwas weniger scharf haben möchte. Es gibt zwar viele Gerichte, die einen akzeptablen Schärfegrad haben, aber es gibt mindestens genauso viele Gerichte, deren Geschmack durch Gewürze nicht verstärkt wird, sondern deren Hauptgeschmackskomponente Gewürze sind. Das ist dann schon ein starker Kontrast zur europäischen Küche.

Wenn ich nicht gerade esse oder bei Siemens im Büro sitze, dann bin ich natürlich irgendwo in dieser Stadt unterwegs. Und da Peking praktischerweise so enorm groß ist, werde ich in acht Monaten auch nicht die ganze Stadt kennen können. Auch die Aussage „ich fahr mal in die Stadt“ hat hier keinerlei Bedeutung, da es nicht ein Stadtzentrum gibt, sondern jeder Stadtteil fast eine eigene Stadt ist, wo es tausend Dinge gibt.

So ist auch Einkaufen nicht ganz so trivial wie man denken würde. Die Herausforderung liegt nicht darin, etwas zu finden, sondern das zu finden, was man sucht. Warum das so schwierig ist? Weil man in der Regel die Wahl zwischen Originalprodukten in Originalboutiquen zu mehr als Originalpreisen, Fake-Produkten auf Fake-Märkten zu allen möglichen Preisen oder chinesischen Produkten in chinesischen Märkten zu chinesischen Preisen haben kann. Es gibt zwar auf den Fake-Märkten auch Originalware, die irgendwo vom Laster oder eher aus irgendeiner Fabrik gefallen ist, aber die muss man erstmal identifizieren können. Wer die Kunst beherrscht, Original von Fake zu unterscheiden, der hat hier eindeutig einen Vorteil.

Die Originalboutiquen brauche ich nicht weiter zu beschreiben. Die Goethestraße in Frankfurt mal fünf oder einfach die Champs Elysées in ein Kaufhaus stecken, die schon in Europa gesalzenen Preise noch mal mit Faktor 1,1 - 1,5 multiplizieren, dann wisst Ihr was Luxus in China bedeutet. Also nichts für kleine SGPler…

Fake-Märkte, ja, das ist so eine Sache. Praktisch sind sie deshalb, weil man neben allerlei plumpen Plagiaten auch ein paar gute Dinge finden kann. Dummerweise gibt es ein paar Märkte wie „Silk Street“, die von Touristen geflutet werden und Touristen haben das Geld nun mal extrem locker sitzen. Deswegen sind die Preise dort meist verdorben und das individuelle Verhandlungsgeschick ist richtig gefordert. Als grobe Anleitung sollte man in diesen touristischen Märkten annehmen, dass der zuerst vorgeschlagene Preis um das 10fache über dem realistischen Preis liegt. Da ist nun der Bazarinstinkt gefragt, tatsächlich auch diesen Preis zu erreichen. Am besten überlegt man sich vorher, was man bereit ist zu zahlen und übersteigt diesen Preis nicht. Generell gilt, nur handeln, wenn man kaufen möchte. Nach einem Preis fragen ist ok, aber sobald man ins Handeln einsteigt, muss man auch kaufen. Alles andere wäre eine Beleidigung. So zu tun, als würde man gehen, weil der Preis zu hoch ist, ist jedoch ein legitimes Verhandlungsmittel und sollte auch glaubwürdig(!) eingesetzt werden. Als probat erweist sich auch die Taktik, niemals Begeisterung für ein Produkt zu zeigen, der potentiell erreichbare Preis steigt dadurch um ein Vielfaches.

Ganz großes Kino war mein Handykauf in „Electronic City“. Ich habe mir dort ein verkleinertes i-phone gekauft. Ok, es ist kein i-phone, alleine schon, weil Apple ein Telefon in dieser Größe nicht im Portfolio hat, das Design entspricht aber schon in wesentlichen Zügen dem teurer Vorbild aus den USA. Alleine der Kauf wäre eine abendfüllende Geschichte, noch besser wurde es aber, als ich das Telefon wieder umtauschen musste, weil der Empfang so schlecht war. Jasmin, eine deutsche Praktikantin hier bei Siemens war so nett, mich bei dieser Mission Impossible zu unterstützen. Alleine hätte ich sicher schneller das Handtuch geworfen.

Man stelle sich vor, da kommen zwei Langnasen (chinesischer Ausdruck für westliche Ausländer), sprechen kaum Chinesisch und haben ein Problem. Wenn das mal nicht ein gefundenes Fressen ist, ein ordentliches Geschäft zu machen und die schön über den Tisch zu ziehen. Ich muss schon sagen, ich habe keine Angst, hier auf der Straße überfallen zu werden, aber sobald man versucht, mit Chinesen Geschäfte zu machen, muss einem klar sein, dass sie einen gnadenlos über den Tisch ziehen wollen – und dabei noch ein engelsgleiches Lächeln im Gesicht haben. Merke: Sein Ziel erreichen kann nur, wer mit gleichen Waffen kämpft. Das gilt schon bei der Essensausgabe in der Kantine. Wer da nicht drängelt, steht zwei Stunden später noch mit leerem Tablett da…

Nun gut, die Geschichte ist gut ausgegangen, ich habe keinen Mao (0,1 Yuan) extra ausgegeben und tatsächlich ein neues funktionierendes Telefon bekommen. Ganz wichtig war dabei der Telefonjoker. Ja, Telefonjoker funktionieren ich China in fast jeder Lebenslage und das geht so. Man hat ein Problem, kennt einen Chinesen ruft den an, erklärt das Problem und gibt dann das Telefon an die Person, mit der man das Problem hat. Dann reden die zwei Chinesen komische Sachen und schwups, das Problem ist gelöst bzw. ein Kompromiss gefunden. Jetzt glaubt jedoch nicht, das läge nur daran, dass jemand die gleiche Sprache spricht. Nein, vielmehr geht es darum, einen Landsmann des Gegenübers zu kennen, dadurch steigt man in seiner Gunst gleich um zwei Klassen. Der Telefonjoker funktioniert auch wunderbar im Taxi, wenn man selber nicht genau weiß, wie der Ort heißt, wo man hinmöchte.

Ihr seht, ich könnte nun noch kilometerlang schreiben, zum Beispiel, dass man am Land auch mal einfach so fotografiert wird, weil man ja eine Attraktion ist. Oder dass Chinesen tatsächlich gerne Geräusche von sich geben, die unsere Erziehung uns in der Öffentlichkeit verbieten. Oder dass es hier so tolle Jobs gibt, die einzig der Arbeitsbeschaffung dienen (mein Lieblingsberuf ist übrigens der Ansager an der Rolltreppe, der vor den Gefahren am nahenden Ende der Rolltreppe warnt). Abschließend sei noch eine Weisheit eines Profs vom Collège des Ingénieurs zitiert, die in China ohne jede Einschränkung gilt: What is big, is good! Gut, dass ich 1,91m groß bin. Haha!


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